Am 29. April erreichten die radioaktiven Partikel in der Luft erstmals Österreich, sie drangen vom niederösterreichischen Weinviertel ins gesamte Bundesgebiet vor. Kurz darauf setzte im Alpenvorland starker Regen ein, der große Mengen Radioaktivität auf die Erde spülte. Österreich gehörte aufgrund der Wetterbedingungen zu den am stärksten von der Kontamination betroffenen Regionen in Mitteleuropa.
Auch vier Jahrzehnte nach dem Ereignis sind die Auswirkungen auf Umwelt, Gesundheit und internationale Sicherheitsstandards deutlich spürbar.
Insbesondere für Einsatzorganisationen wie die Feuerwehr ergeben sich aus diesem Ereignis nachhaltige Erkenntnisse im Bereich des Strahlenschutzes.
Die Ereignisse des Jahres 1986 offenbarten erhebliche Defizite im internationalen Krisenmanagement. Dazu zählten insbesondere verzögerte Informationsweitergaben an die Bevölkerung, unzureichende Schutzausrüstung für Einsatzkräfte sowie mangelhaft ausgebaute Mess- und Warnsysteme.
Im Zuge des Reaktorunfalls im ukrainischen Tschernobyl wurden auch in Österreich erhöhte Strahlenwerte registriert. In der Folge wurde der Strahlenschutz umfassend weiterentwickelt und rechtlich verankert. Bereits im Jahr 1975 hatte das damalige Bundesministerium für Gesundheit und Umweltschutz mit dem Aufbau eines Strahlenfrühwarnsystems begonnen, welches zu diesem Zeitpunkt das einzige vollautomatische Messnetz in Europa darstellte. Heute bestehen in sämtlichen europäischen Staaten vergleichbare Systeme. Seit dem Jahr 2003 wird das österreichische Strahlenfrühwarnsystem durch das Umweltbundesamt im Auftrag des Bundes betrieben.
Die Feuerwehr Thalsdorf nahm bereits in den 1980er-Jahren eine Vorreiterrolle im Bereich des Strahlenschutzes ein und verfügte als eine der wenigen Feuerwehren Kärntens über einen eigenen Strahlenspürtrupp.
Der damalige Kommandant-Stellvertreter HBM Karl-Heinz Reichhold, der seine Ausbildung im ÖFZ (Österreichisches Forschungszentrum) Seibersdorf (heute Nuclear Engineering Seibersdorf) absolvierte – zu einer Zeit, in der es in Kärnten noch keine entsprechende Ausbildung gab – stellte gemeinsam mit drei weiteren Kameraden diesen Trupp auf.
Für die damalige Zeit stand dem Trupp eine moderne Ausrüstung zur Verfügung, bestehend aus mittelschweren Schutzanzügen, sowie ein Strahlenmessgerät der Firma Landis+Gyr. Dieses diente dem Schutz vor ionisierender Strahlung (Alpha-, Beta- und Gammastrahlung).
In Kärnten waren insbesondere die Regionen Koralpe, Saualpe sowie Teile der Karawanken von radioaktivem Fallout – hauptsächlich durch Cäsium-137 – betroffen. Im ersten Jahr nach dem Unfall (bis April 1987) lag die durchschnittliche zusätzliche externe Strahlenbelastung in Österreich bei etwa 130 Mikrosievert. Auf Basis der gemessenen Luftaktivitätswerte ergab sich für die erwachsene Bevölkerung eine effektive Dosis von rund 80 Mikrosievert in Wien sowie etwa 40 Mikrosievert in Kärnten, jeweils ohne Berücksichtigung abschirmender Gebäudeeinflüsse.
Aufgrund der anfänglich unklaren Informationslage wurden durch die Feuerwehr Thalsdorf Informationsveranstaltungen für die Bevölkerung von St. Georgen durchgeführt. Zu Beginn wurde vorsorglich empfohlen, auf den Konsum von frischem Gemüse aus Eigenanbau sowie auf frische Milch zu verzichten. Als Alternative wurde der Konsum von haltbarer Milch angeraten. Eine Entwarnung hinsichtlich dieser Lebensmittel erfolgte rund zwei Wochen später.
In Österreich führte die Tschernobyl-Katastrophe zu einer nachhaltigen Etablierung hoher Standards im Strahlenschutz. Dieser ist heute klar geregelt und wird unter anderem durch das Bundesministerium für Klimaschutz, Umwelt, Energie, Mobilität, Innovation und Technologie sowie durch GeoSphere Austria koordiniert.
Auch die Feuerwehren nehmen in diesem Bereich eine zentrale Rolle ein. Spezialisierte Strahlenspürtrupps – wie jener der Feuerwehr Thalsdorf – sind für das Erkennen, Messen und Absichern radiologischer Gefahrenlagen ausgebildet. Sie arbeiten eng mit dem Landesstrahlenschutzbeauftragten und anderen Einsatzorganisationen zusammen, führen Dekontaminationsmaßnahmen durch und nutzen spezialisierte Ausrüstung wie Strahlenmessgeräte und Dosimeter.
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